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Erlebnisberichte

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Besuch beim Alphornbauer Matthys Böhm

Unser Hochzeitsfest feierten wir in einem alten Bauernhaus im Kandertal, umgeben von grünen Hügeln. Wir wünschten uns eine einfache Feier, ohne Zeremonie, dafür mit guter Musik, feinem Essen, erlesenem Wein und geschätzten Gästen. Als jedoch der Abend einbrach, hörten wir plötzlich einen tiefen Ton, er kam aus dem nahe gelegenen Wäldchen. Die Klangfarbe schien vollkommen zur Umgebung zu passen. Wenn dieser Ort sprechen könnte, würde seine Stimme tatsächlich genauso tönen. Falls Sie es noch nicht erraten haben: Der Ton stammte von einem Alphorn.
Unsere Freunde hatten als Überraschung einen Alphorbläser engagiert, der für uns den traditionellen Alpsegen spielte. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Alphorn gehört, fühle mich aber seit diesem besonderen Tag mit diesem Instrument verbunden.

Ein Jahr später machte ich mich mit meiner Frau Sophie, Mitgründerin von jobtourist.net, auf den Weg zu einem Alphornbauer, der sich für die Tätigkeit als Jobcoach interessierte. Matthys Böhm’s Werkstatt liegt nur eine kurze Autofahrt von unserem Home-Office in Thun entfernt, so wollten wir uns persönlich ein Bild davon machen, was ein Jobtourist bei ihm erleben würde.

Er begrüsste uns herzlich, ein Mann von 68 Jahren mit weissem Bart und einem Leuchten in den hellblauen Augen. Er führte uns über den krächzenden Holzboden in seine nach Sägemehl riechende Werkstatt. Matthys zeigte uns den ordentlichen Arbeitsplatz, der mit diversen Maschinen und Werkzeugen aller Art bestückt ist. Auf der Werkbank erblickten wir sogleich das aktuelle Alphorn in der Mache.

Gleich dahinter ein zugeschnittener Block aus Arvenholz. So habe das Stück gestern noch ausgesehen, erklärte Matthys. Er streckte uns das Holz hin und hielt uns an, daran zu riechen. Für mich roch es schlicht nach Holz. Sophie meinte, einen süsslichen Geruch ausmachen zu können, sie hat offenbar eine feinere Nase. Als nächstes bekamen wir einen ausgehöhlten Becher zu Gesicht, das vorderste Stück des Alphorns. Die Wand des Instruments war nur noch 7-8 mm dick, 90% des Holzes ist also „Abfall“ und dient als Heizmaterial. Vom Holzblock bis zum fertigen Alphorn dauert es zwei Wochen, also 80 Stunden Arbeit und ein Instrument kostet um die 3‘500 SFr. Leben könne man davon nicht, ausser, man würde die schöne Handarbeit durch maschinelle Verarbeitung ersetzen.

Matthys‘ Tätigkeit als Alphornbauer begann damit, dass er selbst Alphorn spielte. Als sein Mundstück kaputt ging, suchte er nach einem lokalen Alphornbauer, der ihm ein neues verkaufen würde. Er fand den 78-jährigen Ernst Nussbaum, der seit über 40 Jahren nach althergebrachter Methode Alphörner baute. Matthys war beeindruckt von diesem Mann und wollte von ihm ein Instrument kaufen. Nussbaum sagte, er habe zu viel Arbeit und weder Zeit noch Kraft, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Als Matthys erwähnte, er sei gelernter Schreiner, machte ihm der alte Mann ein Angebot: Er würde Matthys das Alphornbauen beibringen. Dieser war von der Idee begeistert und sagte „ja“. Nachdem sie gemeinsam drei Alphörner gebaut hatten, meinte sein Mentor, er sei nun bereit, seine eigenen Instrumente zu verkaufen.

Heute ist Matthys der Meister, der seine Expertise an Lehrlinge, wie er damals einer war, weitergibt. Zwei bis dreimal pro Jahr nimmt er sich drei Wochen Zeit für Leute, die bei ihm ihr eigenes Alphorn bauen möchten. Die Interessenten kommen von nah und fern in Matthys‘ Werkstatt und wohnen sogar während der Lehrzeit manchmal bei ihm und seiner Frau Silvia.

Jetzt bietet Matthys zusätzlich eine Jobtour auf jobtourist.net an. Sein 1-tägiges Programm gibt dem Jobtouristen einen authentischen Einblick ins Handwerk des Alphornbauens: vom Holzblock zum Schweizer Traditionsinstrument.

Matthys verkörpert wahrlich jene Leidenschaft für sein Métier, das wir uns von unseren Jobcoaches wünschen. Nach einem Tag bei ihm hat man nicht nur viel gelernt sondern ist auch einem ganz besonderen Menschen begegnet.

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